Fakten statt Mythen zum Vollspektrum-Hanföl mit CBD und bis zu 0.2% THC

Hanfprodukte für Hunde boomen, wie auch CBD für Tiere. Halter setzen sie vor allem rund um Beweglichkeit, Stress, Wohlbefinden und die Begleitung chronischer Beschwerden ein. Gleichzeitig begegnet ihnen immer wieder eine scheinbar eindeutige Botschaft: «THC-frei = sicher. THC = gefährlich.» So einfach ist die Biologie nicht.

Hunde reagieren deutlich empfindlicher auf THC als Menschen. Hoch dosiertes Cannabis oder THC-reiche Lebensmittel können bei ihnen eine Cannabinoid-Toxikose auslösen, mit Ataxie, Lethargie, Überempfindlichkeit gegenüber Reizen, Harninkontinenz oder veränderter Herzfrequenz und Körpertemperatur. Aktuelle Fallserien bestätigen vor allem Ataxie und Harninkontinenz als häufige Symptome einer THC-Vergiftung beim Hund (Loewen et al. 2024).

Das Wichtigste in Kürze

  • Hunde reagieren empfindlicher auf THC als Menschen. Über eine Vergiftung entscheidet aber die aufgenommene Dosis pro Kilogramm Körpergewicht, nicht die blosse Anwesenheit von THC.
  • 0.2 Prozent THC beschreiben die Konzentration im Ausgangsmaterial und sind etwas anderes als 0.2 mg THC pro Kilogramm Hund.
  • Der EU-Katalog der Einzelfuttermittel sieht für Hanferzeugnisse Sorten mit unter 0.2 Prozent THC ausdrücklich vor. THC-frei muss Hanf im Futtermittel also nicht sein.
  • Vollspektrum-Hanföl liefert neben CBD auch CBDA, THCA und weitere Cannabinoide. CBDA nimmt der Hund deutlich besser auf als CBD.
  • Der Entourage-Effekt ist pharmakologisch gut begründet. SPARROW setzt deshalb auf das volle Pflanzenspektrum statt auf isoliertes CBD.
  • «0.0 Prozent THC» ist kein Qualitätsmerkmal. Aussagekräftiger ist das gesamte Cannabinoidprofil eines Produkts.

Daraus folgt nicht, dass jede natürliche THC-Spur im Hanf für Hunde gefährlich ist. Wie bei praktisch jedem pharmakologisch aktiven Stoff zählt vor allem die Dosis; die blosse Anwesenheit sagt wenig.

Hunde sind THC-empfindlich, doch Konzentration ist nicht gleich Dosis

Das Endocannabinoid-System des Hundes ist im zentralen Nervensystem stark ausgeprägt. CB1-Rezeptoren finden sich unter anderem im Kleinhirn, in der Grosshirnrinde, im Hippocampus und im Hirnstamm (Freundt-Revilla et al. 2017). Diese Verteilung trägt dazu bei, dass THC beim Hund besonders deutliche neurologische Wirkungen hervorrufen kann.

Bekannt ist diese Empfindlichkeit schon lange. Robert J. Silver, DVM, weist in seinem Standardwerk zur veterinärmedizinischen Anwendung von Cannabis ausdrücklich darauf hin, dass Hunde empfindlicher auf THC reagieren und hohe Dosen vermieden werden müssen (Silver 2015).

Kontrollierte Untersuchungen zeigen einen klaren Dosiszusammenhang. In einer Studie mit einem Cannabisextrakt im Verhältnis 1 Teil THC zu 20 Teilen CBD erhielten Hunde (Chicoine et al. 2020):

  • 0.1 mg THC/kg + 2 mg CBD/kg,
  • 0.25 mg THC/kg + 5 mg CBD/kg,
  • oder 0.5 mg THC/kg + 10 mg CBD/kg.

Bei der niedrigsten Dosierung traten neurologische Auffälligkeiten nur selten auf, bei der höchsten zeigten fünf von sechs Hunden neurologische Symptome. Wie schwer sie ausfielen, hing mit den gemessenen Cannabinoidkonzentrationen zusammen.

THC kann beim Hund also toxisch wirken. «Enthält THC» und «hat eine toxische THC-Dosis erreicht» bleiben trotzdem zwei verschiedene Aussagen.

0.2% THC im Futtermittel sind nicht 0.2 mg THC pro Kilogramm Hund

An dieser Stelle entsteht viel Verwirrung. 0.2% THC beschreibt die Konzentration in einem Ausgangsmaterial, 0.2 mg THC/kg Körpergewicht die Menge, die der Hund tatsächlich erhält. Die beiden Werte darf man nicht verwechseln.

Das europäische Futtermittelrecht verlangt auch keineswegs, dass Hanf grundsätzlich THC-frei ist. Der EU-Katalog der Einzelfuttermittel beschreibt Hanfsaat, Hanfkuchen, Hanfsaatöl, Hanfmehl und Hanffaser ausdrücklich als Erzeugnisse aus Hanfsorten mit einem THC-Gehalt unter 0.2 % (VO (EU) 2022/1104). Für Futtermittel ist die Sache damit klar geregelt: Natürlicher Hanf darf im vorgesehenen Rahmen THC enthalten.

Analytisch nachweisbare THC-Spuren haben deshalb wenig mit der Aufnahme hoch dosierter Cannabisprodukte oder THC-haltiger Edibles gemein.

Das eigentliche Thema ist grösser als THC: Was bleibt von der Pflanze übrig?

Wer über Hanfprodukte spricht, reduziert die Diskussion häufig auf zwei Moleküle, CBD und THC. Die Hanfpflanze enthält ein wesentlich breiteres Spektrum: CBD und CBDA, THC und THCA, CBG und CBGA, CBC und CBCA sowie weitere sogenannte Minor Cannabinoids, dazu Terpene, Flavonoide und andere Pflanzenbestandteile. Ein CBD-Isolat besteht dagegen im Wesentlichen aus einem einzelnen isolierten Cannabinoid.

Hier setzt die Diskussion über Vollspektrum-Hanf an. Neben der Frage, wie viel CBD ein Produkt enthält, zählt, welches natürliche Cannabinoid- und Pflanzenstoffprofil es insgesamt liefert.

Der Entourage-Effekt: die Pflanze als System

Einer der frühen veterinärmedizinischen Pioniere auf diesem Gebiet ist Dr. Robert J. Silver, DVM. In seinem Cannabis-Leitfaden beschreibt er, dass die verschiedenen Phytocannabinoide nicht zwingend als voneinander isolierte Einzelstoffe zu betrachten sind. Das mögliche Zusammenspiel verschiedener Cannabinoide und weiterer Pflanzenbestandteile nennt er Entourage Effect (Silver 2015).

Das Prinzip ist einfach: Die biologische Wirkung einer Pflanze muss nicht identisch sein mit der Wirkung eines einzelnen daraus isolierten Moleküls.

Silver geht noch weiter. Bei einem Whole-Plant-Extrakt könnten möglicherweise niedrigere Mengen einzelner Cannabinoide ausreichen, weil mehrere Bestandteile zur biologischen Aktivität beitragen. Gleichzeitig hält er fest, dass es kontrollierte Studien braucht, um diese Zusammenhänge bei Hunden und Katzen genauer zu quantifizieren (Silver 2015).

Der Entourage-Effekt meint deshalb mehr als «THC macht CBD stärker», nämlich ein mögliches Zusammenspiel des gesamten Pflanzenprofils.

Moderne Studien zeigen: Vollspektrum ist mehr als CBD

Seit Silvers früher Arbeit ist die veterinärmedizinische Forschung ein gutes Stück weiter. Aufschlussreich sind vor allem die Untersuchungen rund um die Cornell University und ElleVet, weil hier CBD-/CBDA-reiche Hanfprodukte mit mehreren natürlichen Cannabinoiden untersucht wurden statt isoliertes CBD.

In einer Studie von Wakshlag und Kollegen wurden bei Hunden nach Gabe verschiedener Hanfextrakte neben CBD auch CBDA, THC, THCA und ihre Metaboliten gemessen. CBDA und THCA erreichten zwei- bis dreifach höhere Konzentrationen im Serum als CBD beziehungsweise THC. THC selbst lag in nahezu allen Proben unterhalb der Quantifizierungsgrenze (Wakshlag et al. 2020).

Für die Vollspektrum-Diskussion ist das relevant. Ein Vollspektrum-Hanfprodukt ist biologisch mehr als «CBD plus etwas THC»: Auch andere Cannabinoide gelangen in den Körper, teilweise in höheren Konzentrationen als jene, über die am meisten gesprochen wird.

CBDA zeigt, warum der Blick auf CBD allein zu kurz greift

Eine Vergleichsstudie von 2025 untersuchte bei gesunden Beagles vier Varianten (Wang et al. 2025):

  • CBD-Isolat,
  • CBDA-Isolat,
  • Full-Spectrum-CBDA,
  • Full-Spectrum CBD/CBDA.

CBDA erreichte unabhängig von der Form eine deutlich höhere maximale Konzentration und Gesamtaufnahme als CBD.

Das Cannabinoidprofil selbst macht also einen Unterschied. Enthält ein Vollspektrumprodukt neben CBD relevante Mengen CBDA und weiterer Cannabinoide, bekommt der Hund ein anderes pharmakologisches Profil als bei einfach mehr CBD. Die CBD-Prozentzahl eines Produkts allein sagt deshalb wenig aus.

Vollspektrum gegen Isolat: Was die Aufnahmedaten zeigen

Hier muss man sauber bleiben. Dieselbe Studie von 2025 fand keine generell bessere Aufnahme von CBD oder CBDA aus Full-Spectrum-Produkten im Vergleich zu den entsprechenden Isolaten (Wang et al. 2025).

Einen Gegenbeweis gegen den Entourage-Effekt liefert das nicht. Es zeigt lediglich, dass ein möglicher Entourage-Effekt nicht zwingend darauf beruht, dass Full Spectrum mehr CBD ins Blut bringt. Die Autoren halten Synergien auf Ebene von Rezeptoren und anderen pharmakodynamischen Mechanismen für möglich. Das passt besser zum ursprünglichen Whole-Plant-Gedanken: Mehrere Pflanzenstoffe können parallel unterschiedliche biologische Zielstrukturen beeinflussen, ohne dass THC zwingend die CBD-Aufnahme verbessert.

ElleVet und Cornell: klinische Forschung mit Hanfextrakten

Dass dieser Ansatz über die Theorie hinausgeht, zeigen klinische Studien. In der bekannten Cornell-Studie von Gamble et al. erhielten Hunde mit Osteoarthritis ein CBD-reiches Hanföl, 2 mg CBD/kg zweimal täglich. Im Vergleich zur Placebophase zeigten tierärztliche und Besitzerbewertungen Verbesserungen bei Schmerz und Aktivität (Gamble et al. 2018).

Auch Langzeit- und Pharmakokinetikstudien mit CBD-reichen Hanfprodukten gibt es inzwischen bei Hunden und Katzen. Deabold et al. untersuchten acht Hunde und acht Katzen über zwölf Wochen. Beide Tierarten nahmen CBD systemisch auf, Hunde erreichten aber wesentlich höhere CBD-Blutkonzentrationen als Katzen (Deabold et al. 2019). Wie ein Tier Cannabinoide aufnimmt, hängt also neben dem Produkt stark von der Tierart ab.

Die klinische Evidenz wächst

Eine systematische Auswertung von fünf Studien mit insgesamt 117 Hunden mit Osteoarthritis ist ebenfalls aufschlussreich. Vier der fünf Studien verwendeten Full-Spectrum-CBD-Produkte, und insgesamt gab es Hinweise auf eine mögliche Schmerzreduktion. Die Autoren bewerteten die Sicherheit der Evidenz jedoch als sehr niedrig, wegen kleiner Fallzahlen, unterschiedlicher Produkte und methodischer Schwächen (Patikorn et al. 2023).

Für eine seriöse Einordnung heisst das: Vollspektrum-Hanf ist wissenschaftlich interessant und klinisch untersucht. Dass Full Spectrum immer besser wirkt als CBD-Isolat, ist derzeit nicht bewiesen, dafür fehlen grössere direkte Vergleichsstudien.

Neue Full-Spectrum-Studien gehen bereits weiter

Aktuellere Untersuchungen testen inzwischen ausdrücklich Extrakte mit mehreren Cannabinoiden. Eine 2025 veröffentlichte randomisierte Studie untersuchte bei Hunden mit Osteoarthritis einen Full-Spectrum-Extrakt mit CBD, THC, CBG, CBC und weiteren Cannabinoiden über 90 Tage. Die Hunde vertrugen die Behandlung gut, beim primären Schmerzscore zeigte sich aber kein statistisch signifikanter Unterschied gegenüber Placebo (Griebeler et al. 2025).

Eine weitere aktuelle randomisierte Studie verwendete einen Full-Spectrum-Extrakt mit CBD, CBDA, THC und THCA zusätzlich zur bestehenden Schmerztherapie. Nach vier Wochen sank der CBPI-Schmerzscore in der Cannabisgruppe stärker als in den Vergleichsgruppen. Die Untersuchung war allerdings klein und sollte nicht überinterpretiert werden (Escobar Torres et al. 2026).

Beide Arbeiten zeigen, wo die Forschung heute steht: Es gibt positive Signale, eine automatisch überlegene Wunderformel ist Full Spectrum aber nicht.

Die Rolle von THC im Vollspektrum

THC ist ein natürlicher Bestandteil der Cannabispflanze und hat eigene pharmakologische Eigenschaften. «Je mehr THC, desto besser» gilt deshalb gerade beim Hund nicht. Die kontrollierte 1:20-THC:CBD-Studie zeigt, dass neurologische Nebenwirkungen mit steigender THC- und Cannabinoidexposition häufiger werden (Chicoine et al. 2020).

Robert Silver behandelt diesen Punkt differenziert. Er unterscheidet ausdrücklich zwischen THC-reicheren Cannabisprodukten und Industriehanf mit sehr kleinen THC-Mengen. Für THC-reichere Produkte beschreibt er einen vorsichtigen Einstieg mit niedrigen Dosierungen, bei THC-armem Hanf richtet sich die Dosierung primär nach dem CBD-Gehalt (Silver 2015).

THC gehört zum natürlichen Cannabinoidspektrum. Dämonisieren muss man es innerhalb eines Vollspektrumprodukts ebenso wenig wie glorifizieren; massgeblich ist die tatsächlich aufgenommene Dosis.

0.0% THC ist nicht automatisch ein Qualitätsmerkmal

Ein THC-freies Produkt kann durchaus sinnvoll hergestellt sein. Natürlicher, wirksamer, hochwertiger oder wissenschaftlich überlegen ist es deshalb nicht automatisch. Ein reines CBD-Isolat enthält definitionsgemäss deutlich weniger von der phytochemischen Vielfalt der Hanfpflanze. Ein Vollspektrumprodukt verfolgt den umgekehrten Ansatz und stellt möglichst viel vom natürlichen Stoffprofil der Pflanze in den Mittelpunkt statt eines einzelnen Moleküls.

Für Hundehalter ist deshalb eine andere Frage sinnvoller als «Ist THC vorhanden?», nämlich: Was enthält das Produkt insgesamt?

Vollspektrum bedeutet mehr Pflanze, nicht mehr CBD

Vollspektrum-Hanf heisst weder möglichst viel THC noch möglichst viel CBD. Es heisst, CBD gemeinsam mit den weiteren natürlich vorkommenden Cannabinoiden, Cannabinoidsäuren und Pflanzenstoffen zu betrachten. Das entspricht dem Whole-Plant-Prinzip, das Robert Silver früh für die Veterinärmedizin beschrieben hat (Silver 2015).

Die moderne veterinärmedizinische Pharmakokinetik bestätigt inzwischen zumindest einen wesentlichen Teil dieser Idee: Mehrere Cannabinoide eines Hanfextrakts gelangen in den Organismus, mit teilweise sehr unterschiedlichen Aufnahme- und Konzentrationsprofilen (Wakshlag et al. 2020; Wang et al. 2025).

Wenn Sie mehr über Vollspektrum CBD Öle und deren Auswirkungen auf die Leber erfahren wollen, haben wir einen detaillierten Artikel hier.

Warum naturbelassener Hanf einen anderen Ansatz verfolgt

Bei einem naturbelassenen, schonend verarbeiteten Hanfprodukt geht es darum, die Pflanze möglichst als komplexes Naturprodukt zu erhalten, statt einem Trägeröl möglichst viel isoliertes CBD zuzusetzen. Neben CBD bleiben so auch weitere Bestandteile des natürlichen Hanfspektrums erhalten. Vor dem Hintergrund der aktuellen Forschung ist das eine pharmakologisch nachvollziehbare Fragestellung und keine esoterische Vorstellung.

Die Forschung kann heute noch nicht abschliessend sagen, bei welcher Indikation welche Kombination optimal ist. Sie zeigt aber zunehmend, dass sich die Hanfpflanze wissenschaftlich nicht auf ein einziges Molekül namens CBD reduzieren lässt.

Die Dosis entscheidet, und die Pflanze ist mehr als CBD

THC kann für Hunde in höheren Dosen problematisch sein, das ist unbestritten. Daraus abzuleiten, jedes Hanfprodukt müsse 0,0 % THC enthalten, greift jedoch zu kurz. Für mehrere Hanf-Einzelfuttermittel sieht der europäische Futtermittelkatalog einen THC-Gehalt unter 0,2 % ausdrücklich vor (VO (EU) 2022/1104). Gleichzeitig zeigen veterinärmedizinische Studien, dass Hunde neben CBD auch CBDA, THCA und weitere Cannabinoide aufnehmen und dass diese Stoffe sehr unterschiedliche pharmakokinetische Eigenschaften haben (Wakshlag et al. 2020; Wang et al. 2025).

Robert Silver beschrieb dieses Prinzip früh als Whole-Plant- beziehungsweise Entourage-Ansatz: Die biologische Aktivität einer Pflanze kann aus dem Zusammenspiel mehrerer Bestandteile entstehen und muss nicht mit der Wirkung eines einzelnen isolierten Moleküls identisch sein (Silver 2015).

Die Frage «THC gut oder THC böse?» führt deshalb nicht weiter. Weiter führen drei andere: Wie sieht das gesamte Cannabinoidprofil aus, wie hoch ist die tatsächliche Dosis, und wie gut ist das Produkt untersucht? Vollspektrum bedeutet mehr von der Pflanze.

Häufige Fragen & Antworten zum Vollspekrtum Hanföl

Ist THC für Hunde giftig?

Nein, in zugelassenen Mengen nicht. In höheren Dosen ja. Hunde reagieren empfindlicher auf THC als Menschen, weil ihr Nervensystem dicht mit CB1-Rezeptoren besetzt ist. Laut MSD Veterinary Manual können milde Symptome ab etwa 0.3 bis 0.5 mg THC pro Kilogramm Körpergewicht auftreten. Natürliche THC-Spuren in einem Hanf-Futtermittel liegen bei üblicher Fütterung weit darunter.

Welche Symptome zeigt ein Hund bei zu viel THC?

Am häufigsten sind unsicherer Gang (Ataxie) und Harntröpfeln. Dazu kommen Lethargie, Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen und Berührung sowie Veränderungen von Herzfrequenz und Körpertemperatur. Solche Vergiftungen entstehen fast immer durch Cannabisprodukte aus dem Humanbereich, etwa Blüten oder THC-haltiges Gebäck.

Kann ein Hund an THC sterben?

Eine tödliche Vergiftung allein durch THC ist weder beim Menschen noch beim Hund dokumentiert. Das MSD Veterinary Manual bezeichnet Todesfälle bei Hunden als äusserst selten. Die zwei toten Hunde aus der oft zitierten Colorado-Studie hatten Gebäck mit hochkonzentrierter THC-Butter gefressen; woran sie starben, hält die Studie nicht fest (Meola et al. 2012).

Wie viel THC darf in einem Hanf-Futtermittel sein?

Der EU-Katalog der Einzelfuttermittel beschreibt Hanferzeugnisse wie Hanfsaat, Hanfkuchen oder Hanfsaatöl als Erzeugnisse aus Hanfsorten mit einem THC-Gehalt unter 0.2%.

Ist THC-freies CBD-Öl sicherer für Hunde?

Nicht automatisch. Ein THC-freies Produkt ist in der Regel ein Isolat oder stark weiterverarbeitet und enthält dadurch weniger von der natürlichen Vielfalt der Hanfpflanze. Bei korrekter Dosierung sind natürliche THC-Spuren in einem Vollspektrum-Produkt kein Sicherheitsproblem. Zudem ist THC freies CBD-Öl, also als Isolat, im Futtermittelrecht nicht zugelassen und darf somit auch keinen Tieren verfüttert werden.

Was ist der Unterschied zwischen Vollspektrum und CBD-Isolat?

Ein CBD-Isolat enthält im Wesentlichen nur CBD. Ein Vollspektrum-Produkt enthält zusätzlich CBDA, THC und THCA in Spuren, CBG, CBC, weitere Cannabinoide sowie Terpene und Flavonoide, also möglichst viel vom Stoffprofil der ganzen Pflanze. Vom rechtlichen Standpunkt her ist ein Vollspektrum als Futtermitte erlaubt und darf verfütterte werden. Hingegen ein Isolat oder Extrakt ist strikt nicht erlaubt und darf auch nicht an Tiere verfüttert werden.

Ist Vollspektrum-CBD besser als Isolat für Hunde?

Die Studienlage liefert positive Signale: Hunde nehmen aus Vollspektrum-Produkten mehrere Cannabinoide auf, CBDA sogar besser als CBD. Grosse direkte Vergleichsstudien zur Wirkung von Vollspektrum gegen Isolat beim Hund fehlen noch. Belegt ist das breitere Wirkstoffprofil.

Was ist CBDA?

CBDA (Cannabidiolsäure) ist die natürliche Säureform von CBD, wie sie in der Pflanze vorkommt. In Studien an Beagles erreichte CBDA eine deutlich höhere Konzentration im Blut und eine höhere Gesamtaufnahme als CBD (Wang et al. 2025). Naturbelassene Vollspektrum-Produkte enthalten CBDA, reine Isolate in der Regel nicht.

Was ist der Entourage-Effekt?

So heisst das mögliche Zusammenspiel der verschiedenen Cannabinoide, Terpene und Pflanzenstoffe des Hanfs. Die Wirkung der ganzen Pflanze muss dabei nicht der Wirkung eines einzelnen isolierten Moleküls entsprechen. Beim Hund wird der Effekt aktuell erforscht; die Pharmakokinetik-Daten stützen zumindest, dass mehrere Pflanzenstoffe gleichzeitig in den Körper gelangen.

Quellen

Chicoine, A., Illing, K., Vuong, S., Pinto, K. R., Alcorn, J. & Cosford, K. (2020): Pharmacokinetic and Safety Evaluation of Various Oral Doses of a Novel 1:20 THC:CBD Cannabis Herbal Extract in Dogs. Frontiers in Veterinary Science, 7, 583404. https://doi.org/10.3389/fvets.2020.583404

Deabold, K. A., Schwark, W. S., Wolf, L. & Wakshlag, J. J. (2019): Single-Dose Pharmacokinetics and Preliminary Safety Assessment with Use of CBD-Rich Hemp Nutraceutical in Healthy Dogs and Cats. Animals, 9(10), 832. https://doi.org/10.3390/ani9100832

Escobar Torres, B., Navarro Soto, A., Arrau Barra, S. et al. (2026): Randomized and Blind Evaluation of the Efficacy of a Full-Spectrum Oral Cannabis sativa Oil Extract, Standardized Based on CBD-A, CBD and THC-A, THC in Canines with Chronic Osteoarthritis. Animals, 16(6), 900. https://doi.org/10.3390/ani16060900

Freundt-Revilla, J., Kegler, K., Baumgärtner, W. & Tipold, A. (2017): Spatial distribution of cannabinoid receptor type 1 (CB1) in normal canine central and peripheral nervous system. PLOS ONE, 12(7), e0181064. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0181064

Gamble, L. J., Boesch, J. M., Frye, C. W., Schwark, W. S., Wakshlag, J. J. et al. (2018): Pharmacokinetics, Safety, and Clinical Efficacy of Cannabidiol Treatment in Osteoarthritic Dogs. Frontiers in Veterinary Science, 5, 165. https://doi.org/10.3389/fvets.2018.00165

Griebeler, N. M., Cremonese, R. P., Fakih Correa, Y. R. et al. (2025): Cannabis-based extract for managing pain in dogs with osteoarthritis: efficacy and safety assessment. Frontiers in Pharmacology, 16, 1539704. https://doi.org/10.3389/fphar.2025.1539704

Loewen, J. M., Munn-Patterson, M. L., McEwen, K. E., Vuong, S., Alcorn, J. & Chicoine, A. L. (2024): Analysis of cannabinoids in plasma from 38 cases of suspected cannabinoid intoxication in dogs. Journal of Veterinary Emergency and Critical Care, 34(6), 545 ff. https://doi.org/10.1111/vec.13428

Meola, S. D., Tearney, C. C., Haas, S. A., Hackett, T. B. & Mazzaferro, E. M. (2012): Evaluation of trends in marijuana toxicosis in dogs living in a state with legalized medical marijuana: 125 dogs (2005 bis 2010). Journal of Veterinary Emergency and Critical Care, 22(6), 690 ff. https://doi.org/10.1111/j.1476-4431.2012.00818.x

MSD Veterinary Manual: Toxicosis in Dogs and Cats From Tetrahydrocannabinol (THC). https://www.msdvetmanual.com/toxicology/toxicoses-from-human-recreational-drugs/toxicosis-in-dogs-and-cats-from-tetrahydrocannabinol-thc

Patikorn, C., Nerapusee, O., Soontornvipart, K. et al. (2023): Efficacy and safety of cannabidiol for the treatment of canine osteoarthritis: a systematic review and meta-analysis of animal intervention studies. Frontiers in Veterinary Science, 10, 1248417. https://doi.org/10.3389/fvets.2023.1248417

Silver, R. J. (2015): Medical Marijuana and Your Pet: The Definitive Guide.

Verordnung (EU) 2022/1104 der Kommission vom 1. Juli 2022 zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 68/2013 zum Katalog der Einzelfuttermittel. https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2022/1104/oj

Wakshlag, J. J., Schwark, W. S., Deabold, K. A., Talsma, B. N., Cital, S., Lyubimov, A., Iqbal, A. & Zakharov, A. (2020): Pharmacokinetics of Cannabidiol, Cannabidiolic Acid, Δ9-Tetrahydrocannabinol, Tetrahydrocannabinolic Acid and Related Metabolites in Canine Serum After Dosing With Three Oral Forms of Hemp Extract. Frontiers in Veterinary Science, 7, 505. https://doi.org/10.3389/fvets.2020.00505

Wang, T. C., Wakshlag, J. J., Lyubimov, A., Zakharov, A., Gomez, B., Schwark, W. & Trottier, N. L. (2025): Limited 12-hour pharmacokinetic assessment of CBD and CBDA isolates compared to their full-spectrum extracts in healthy adult beagles. Frontiers in Veterinary Science, 12, 1639846. https://doi.org/10.3389/fvets.2025.1639846

Rechtlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information über den Stand der Wissenschaft und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Zur Einordnung beim Tier: der THC Grenzwert liegt bei 0.2%. Entscheidend für ein Produkt ist die Unterscheidung zwischen Erzeugnis und Zusatzstoff. Mechanisch kaltgepresstes Hanföl aus der ganzen Pflanze und den Samen, das von Natur aus Cannabinoide in geringer Konzentration enthält, ist ein verkehrsfähiges Einzelfuttermittel, sofern die geltenden THC-Höchstgehalte eingehalten werden und keine gezielte Anreicherung stattfindet. Gezielt angereicherte CBD-Extrakte (etwa via CO2- oder Ethanol-Extraktion) gelten dagegen als Futtermittel-Zusatzstoffe und sind mangels Zulassung nicht erlaubt.

Daniel Waser
Daniel Waser

Daniel Waser arbeitet seit über 25 Jahren in der Tierernährung und hat die Marke Sparrow zusammen mit seiner Frau Nicole entwickelt und aufgebaut. Seit 2016 beschäftigt sich Daniel mit Hanf & CBD für Tiere. Sein Wissen teilt er hier mit Ihnen in ausführlichen Artikeln um auch die vielen Falschinformationen zu diesem Thema klar zu stellen.

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